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Bio ist Fabelhaft

Rückblick eines Vordenkers (Interview mit einem Zeitzeugen, Seniorchef Hotel Grafenast)

Frage: Wie sind Sie darauf gekommen, ein Biohotel zu machen?

 

Hans-Jörg Unterlechner: Übernommen haben wir das Haus von meinen Eltern. Es war damals ein normales Sport – und Wanderhotel. Damals lag unser Hotel fernab von den Fremdenverkehrsgebieten und Ortschaften. Unsere Ausgangslage war sehr schwierig. Ein normales Sporthotel zu führen, machte uns auch keinen Spaß. Deshalb suchten wir nach neuen Möglichkeiten, das Hotel zu führen.

Einen wichtigen Einfluss auf unsere Entwicklung hatte in den 70-ger Jahren die Begegnung mit den sogenannten „Weltföderalisten“. Sie gehörten zu einer Friedensbewegung, die damals weltweit aktiv war. Sie nahmen an einer Tagung in einem Nachbarhotel „Frieden“ teil. Sie übernachteten bei uns, weil sie nicht alle dort untergebracht werden konnten. Damals bekamen Vegetarier nur Beilagen. Wir hingegen hatten den Ehrgeiz, ihnen 28 Mal, also mittags und abends, etwas Köstliches zu servieren, ohne ihnen immer wieder das gleiche zu servieren. Unsere Gäste waren wirklich begeistert! So sind wir dazu gekommen, vegetarische Rezepte anzubieten.

                                                                               

Frage: Vegetarisch ist ja noch nicht gleich Bio? Wie vollzog sich der Schritt?

 

Hans-Jörg Unterlechner: Die Weltförderalisten, zu denen wir auch nach der Tagung einen engen Kontakt hielten, nahmen Nahrungsergänzungsmittel, um den Körper mit genügend Mineralstoffen etc. zu versorgen. Wir setzten uns darauf hin sehr intensiv mit der Ernährung auseinander und fanden so zur Vollwertküche, die den Bedürfnissen des Körpers gerecht wurde.

Frage: Ist der Schritt von Vollwert zu Bio die logische Konsequenz gewesen?

 

Hans-Jörg Unterlechner: Nicht unbedingt, denn Bio bedeutet viel mehr als nur eine gesunde Ernährung. Es heißt, nachhaltig anzubauen und zu leben mit dem Bewusstsein, dass wir unseren Planeten nur ausgeliehen haben. Er gehört uns nicht.

Frage: Gab es früher schon Biobauern?

 

Hans-Jörg Unterlechner: Wir haben uns seit jeher bemüht, von Bio-Bauern zu kaufen. Hier in der Region war damals meines Erachtens jeder Bauer „Biobauer“. Sie waren nicht zertifiziert. Später haben wir uns eingesetzt, darüber hinaus auch sog. biologische Produkte zu bekommen. In Deutschland war es viel einfacher, als bei uns in Österreich. Dort gab es damals bereits viel mehr Bioläden. 

Frage: Wann haben Sie einen offiziellen Schritt unternommen, sich als Biohotel zu deklarieren?

 

Hans-Jörg Unterlechner: Ab 1986 haben wir uns 'Bio Aktivhotel' genannt und unsere ganze Werbung darauf umgestellt. Damals haben wir dadurch viele Stammgäste verloren, weil Bio an die Vorstellung gebunden war, dass man nichts zu essen bekommt, es karg ist und langweilig schmeckt. Selbst die Einheimischen dachten so. Auch der Apotheker, von dem man hätte meinen könnte, er hätte einen weiteren Horizont, hat nicht verstanden, worum es uns ging. Als wir den Chef der Tirolwerbung um Unterstützung baten, lehnte dieser ab mit dem Argument, dass er in unserem Ansatz keine Zukunft sehen würde. Dabei war er ein offener und innovativ denkender Mann

Frage: Es klingt so, als hätten Sie nicht viel Unterstützung bekommen?

 

Hans-Jörg Unterlechner: Keiner hat uns verstanden. Wir selbst aber waren so fest davon überzeugt, dass dies der richtige Weg sei. Es war besonders unser Großvater, der daran glaubte. Er war ein regelrechter Vordenker und Querdenker! Er baute ein sogenanntes „Holzhaus“. Das Material dafür stammte aus dem eigenen Wald. Biologisch gebaut, versteht sich. Er hat sogar ein Elektrizitätswerk mit Wasserkraft für das ganze Haus gebaut und hat dem Haus Quellen mit sehr gutem Quellwasser verschafft. Im Jahre 2005/2006 haben wir die Heizung umgestellt. Insgesamt hat sich im Laufe der Zeit seit 1986 im Hotel sehr viel verändert in Richtung baubiologische Ausrichtung. Wir haben das Glück, dass wir unseren älteren Sohn als Architekten haben, mit dessen Hilfe wir das alte Haus vom Großvater ganz behutsam umgebaut haben. Die Zimmer und Bäder wurden größer. In dem ganzen Prozess haben wir darauf geachtet, dass so viel alte Substanz wie möglich erhalten bleibt. Aber natürlich muss alles stimmig sein und auch zu den Neuerungen passen. Es muss eben alles stimmig sein.

Frage: Welche Rolle spielte bei all dem der wunderschöne Blick auf das Inntal?

 

Hans-Jörg Unterlechner: Unser Hauptkapital ist die Aussicht und wir haben dann auch die Zimmer möglichst so umgebaut, dass unsere Gäste den Blick auf das wunderschöne Tal genießen können. Es gibt einige Zimmer, bei denen man in der Badewanne sitzt und von dort aus in die Natur schaut. 1990 haben wir eine Saunalandschaft gebaut, bei der die Sauna große Fenster hatte. Auch das war damals neu. Wir haben es damals nicht nach dem Zeitgeist gebaut, sondern eher klar und deshalb ist sie noch heute schön und wurde bisher nicht verändert.

Frage: Wie sahen die weiteren grundlegenden Schritte in Richtung Biohotel aus?

 

Hans-Jörg Unterlechner: Wir haben einen Heilkräutergarten angelegt. Bereits als kleiner Junge hatte mich meine gehbehinderte Großmutter losgeschickt, um bestimmte Heilkräuter für sie zu sammeln. Der Heilkräutergarten ist dann immer weiter gewachsen. Es gab 80 bis 90 Heilkräuter. Zusammen mit den Gästen habe ich auch auf Wanderungen welche gesucht und ihnen die Natur und Forstwirtschaft vermittelt. Den Mond haben wir auch mit einbezogen. Immer wieder haben wir unser Programm erweitert – u.a. mit Taulaufen am Morgen, Kneippen etc. Dann haben wir uns eine Getreidemühle zugelegt und haben mit den Gästen zusammen Brot gebacken. Ich habe Kochkurse gegeben und wir haben Schafswolle gekauft, damit wir Socken stricken können.

Für uns gehörte zum Bio aber auch „geistige Nahrung“ dazu. Wir haben ausgewählte Musik gespielt, damit die Gäste etwas hören können, was sie noch nicht kennen. An der Bar  stand ein Ständer, auf dem immer zu sehen ist, welche Musik gerade spielt. Literatur haben wir als Betthupferl angeboten. Gute vier Seiten lang, ein Gedicht oder kurze Prosa. Das haben wir jeden Abend an die Zimmertüre der Gäste gehängt. Daraus sind sehr viele schöne Diskussionen entstanden.  Die Verbindung von Kunst und Natur lag uns ebenfalls sehr am Herzen. Auf diese Weise ist auch der Weg der Sinne entstanden, der hier angelegt worden ist.

Frage: Wann wurden Sie von der Öffentlichkeit bewusster wahrgenommen?

 

Hans-Jörg Unterlechner: Wir haben unser Schwimmbad mit der ersten Solaranlage in ganz Österreich versehen. Das war damals sehr innovativ und ging bereits in Richtung Nachhaltigkeit. In den 80-er Jahren und auch noch in den 90-er Jahren kamen Gemeinden zu uns und haben sich angeschaut, wie sie das Prinzip auf ihre Schwimmbäder anwenden können. Mit der Gründung des Vereins „Bio-Hotels“ kam das Interesse an uns als Bio-Hotel auf. Ich war eines der Gründungsmitglieder der Bio-Hotels und von 2001 bis 2010 im Vorstand. Wir haben sehr viel geleistet. Dazu gehörte u.a. die Festlegung der Richtlinien für ein Bio-Hotel. Die Hotels waren auch immer sehr unterstützend füreinander da.

Frage: Was empfinden Sie, wenn Sie heute auf Ihr Leben als Vordenker zurückblicken?

 

Hans-Jörg Unterlechner: Insgesamt war unser Leben, so wie wir es geführt haben, mit der Pionierarbeit sehr schön und wir sind auch sehr froh darüber, dass unser Sohn Peter alles so in unserem Sinne weiter macht. Ihm ist das ein Anliegen, was uns ein Anliegen war. Er hat die Walli, unsere Schwiegertochter an seiner Seite. Wir machen die Buchhaltung und helfen hier und da mit. Ganz loslassen kann man nie.

 

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